Piraten-Kodex
Häufig werde ich in Diskussionen gefragt, wofür wir Piraten denn eigentlich sind, was unser „roter Faden“ sei? Klar könnte ich dann über das Bedingungslose Grundeinkommen oder die notwendige Reformierung unseres Nutzungsrechtes sprechen — aber dann frage ich mich, ob das uns wirklich generell ausmacht und was eigentlich der Kern dieser alltagspolitischen Forderungen ist? Hier mal ein Versuch eines solchen „roten Fadens“.
Die Idee eines solchen Kodex ist sicher nicht neu — aber darum geht es mir und den anderen auch gar nicht — für mich stellen diese Statements persönliche Beweggründe dar, warum ich PIRAT geworden bin.
Ein Pirat handelt nur freiwillig
Piraten sind freiheitsliebende Menschen und leben gerne gern selbstbestimmt. Ein Pirat lässt sich zu keiner Handlung zwingen, noch zwingt er andere Menschen zu einer Handlung. Die Piraten glauben daran, dass die geringst mögliche Herrschaft durch Menschen über Menschen die stabilste und beste Gesellschaftsform ist.
Der Freiheitsmissbrauch einiger Wenige darf vom Staat nicht dazu benutzt werden, die gesellschaftliche Gesamtheit in ihren Grundrechten zu beschneiden.
Piraten wünschen sich einen Staat, der seine Bürger als mündige und ehrliche Gesellschaftsmitglieder behandelt, denn dann verhalten sich diese auch als solche. Ein Staat der seine Bevölkerung unter Generalverdacht stellt, hört er auf, Rechtsstaat zu sein.
Piraten sind keine Dogmatiker
Piraten sind undogmatisch und fühlen sich grundsätzlich ihrem eigenen Gewissen verpflichtet. Dies beinhaltet, das sie jeden Partei– oder Fraktionszwang ebenso wie jeden anderen „blinden Gehorsam“ ablehnen.
Piraten haben viele Fragen und manchmal selbst keine Antworten — Piraten sind nämlich keine Ideologen, sondern Forscher!
Piraten versuchen Systeme zu verstehen. Sie glauben daran, dass man eine Problem erst lösen kann, wenn man es komplett verstanden hat. Piraten fragen nach. Denn erst Fragen schaffen Klarheit. Ein Pirat sollte sich daher nie voreilig über Dinge äußern, die er nicht versteht.
Piraten sind erfinderisch
Piraten sind neugierig und kreativ, sie erfinden ständig Neues, sind offen für neue Wege und lassen sich nicht von alten Mustern einnehmen.
Piraten realisieren neue Projekte und Aktionen transparent und offen nach dem Prinzip der Schwarm-Intelligenz. In einem ständigen Prozess werden dabei bestehende Projekte erweitert, verbessert, Innovationen eingeführt sowie weitere Ideen geschmiedet.
Piraten lieben’s einfach
Piraten lieben einfache Lösungen und reden gern in klaren Worten. Denn Piraten wollen, dass jeder die Spielregeln in Politik und Wirtschaft versteht. Piraten vermeiden daher politische Floskeln und geben gerne zu, wenn sie etwas nicht verstanden haben!
Piraten sind fair und unbestechlich
Piraten stehen für eine politische Kultur der Fairness, in der Argumente und Inhalte wieder zählen. Das gilt für insbesondere für Auseinandersetzungen mit politisch Andersdenkenden. Piraten sind bereit, sich selbst in Frage zu stellen, wenn es nötig ist und kritisieren stets sachlich und konstruktiv.
Piraten sind unbestechlich. Piraten kämpfen gegen politische Korruption und Lobbyismus. Sie stehen dafür ein, dass Staatsdiener und Abgeordnete ihr Handeln und ihr Einkommen für alle Bürger transparent offenlegen.
Piraten sind friedlich, aber kämpferisch
Piraten sind friedlich, nehmen aber kämpferisch ihre Rechte wahr, sie veranstalten dazu Demos und andere wirksame Aktionen. Piraten haben Achtung vor jeglicher Form von Leben. Todesstrafe, Tötung von Tieren aus Spaß und die Zerstörung von Natur und Umwelt lehnen wir daher grundsätzlich ab.
Piraten sind keine Räuber. Piraten können Auseinandersetzungen verbal regeln und lassen sich nicht provozieren. Wenn sich Piraten wehren, versuchen sie stets die Interessen anderer zu berücksichtigen. Piraten respektieren deswegen geltende Gesetze und Privateigentum, sofern ihr Gewissen es zulässt. Zudem haben sie eine hohe Achtung vor den Urhebern geistiger Werte und deren Werke. Piraten wenden sich nur gegen Ausbeuterei sowie unzulässige Patente auf Lebewesen und geistiges Allgemeingut. Piraten sind daran interessiert, Kulturschaffende und andere Kreative angemessen zu unterstützen und somit Verantwortung für den Fortbestand unserer Kultur zu übernehmen.
Piraten haben Mut und machen die Klappe auf. Ein Pirat bleibt nicht stumm, wenn ihm etwas nicht gefällt. Er weiß aber auch, wann er mal ruhig sein sollte. Mit Kritik sollte ein Pirat gut umgehen können, da er weiß, dass sie ihn Gelegenheit gibt, sich weiterzuentwickeln.
Piraten möchten der „Wegseh-Gesellschaft“ entgegenwirken und verhalten sich couragiert. In Situationen, die Zivilcourage erfordern, bleiben sie nicht untätig! Sie verlassen sich nicht darauf, dass irgend jemand anderes etwas machen wird, sondern treten selbst in Aktion — dabei benutzen sie ihr Gehirn, um abzuwägen, wie sich ihr Handeln auf alle Beteiligte am sinnvollsten auswirkt.
Piraten setzen sich für eine freie Wissensgesellschaft ein. Wissen und Kultur zu teilen, ist für sie der Schlüssel zu Chancengleichheit und zu einer materiell sowie geistig reichen Gesellschaft.
Piraten respektieren Minderheiten. Piraten denken bei politischen Mehrheitsentscheidungen auch an die Interessen der Unterlegenen. Nur wenn man auch die Interessen von Minderheiten in die Entscheidungsfindung miteinbezieht, gelingt es einen, die beste Lösung für die ganze Gemeinschaft zu finden.
Piraten legen hohen Wert auf die vom Grundgesetz garantierte Privatsphäre. Überwachungsmaßnahmen, die die Privatsphäre einschränken, werden von allen Piraten abgelehnt und bekämpft, weil sie die freie Entfaltung der Persönlichkeit verhindern und demokratische Vielfalt beschneiden. Trotzdem hat ein Pirat Mut, Farbe zu bekennen und versteckt sich nicht.
Piraten lehnen die heutige wissenschaftlich nicht haltbare Unterscheidung in legale und illegale Drogen ab und fordern die objektive Bewertung aller psychoaktiven Substanzen alleine anhand ihres Gefahrenpotentials.
Genauso wie Piraten gegen politische Systeme sind, die Bürger daran hindern, sich politisch einzubringen, sind Piraten gegen Sozialsysteme, die Menschen daran hindern, sich produktiv in unsere Gesellschaft einzubringen. Piraten sind gegen jegliche Gesellschaftsformen, die es systematisch in Kauf nehmen, ein Teil ihrer Bürger, die arbeitslos oder materiell arm sind, zu stigmatisieren.
Piraten leben vom Mitmachen
Piraten denken global. Piraten geht es nicht nur darum, ihren eigenen Lebensraum so angenehm wie möglich zu gestalten, sondern denken stets über ihren Tellerrand hinweg. Dabei liegt ihnen ein nachhaltiger Umweltschutz sowie die Bewältigung der dringendsten Probleme unserer Welt am Herzen. Piraten fühlen sich als Teil einer globalen Bewegung, die sich über den Raubbau an unserer Natur sowie über politische Willkür empört. Deswegen kooperieren sie mit allen Menschen, die sich für die gleichen Ziele einsetzen.
Piraten schließen keinen aus. Die Piraten leben vom Mitmachen — auch ohne Mitgliedschaft darf jeder „Mitändern“. Nicht wünschen, sondern machen! lautet ihre Devise.